Wir waren in der Hölle

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Stammlager Auschwitz

Von Celine Ram

Am Dienstag sind wir mit dem Bus ins Stammlager Auschwitz gefahren. Allein der Blick vom Bus zum Stammlager war erschreckend und angsteinflößend, ich hatte das Gefühl, dass wir augenblicklich leiser wurden, als wir es sahen.

Im Lager selbst, wir wurden von einem Guide rumgeführt, brachte der erste Blick auf das Gelände und das Tor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“ ein verstärktes unwohles Gefühl und eine Gänsehaut. Das Gefühl verschlimmerte sich noch, als wir durch das Tor liefen. Im Kopf war ständig der Gedanke, dass an der Stelle, wo man steht, ein unschuldiger Mensch gelitten hat.Stacheldrahtzaun Die Barracken, der Zaun und das ganze Gelände scheinen einen zu erdrücken. Die Ausstellungen mit vielen Bildern und Gegenständen ließen alles noch realer und stärker erscheinen, dadurch mussten wir auch das ein oder andere Mal schwer Schlucken. Vor allem die Haare von 40.000 Menschen lassen einem bewusst werden, wie groß das Ganze war. Aber auch der Satz unseres Guides zu einem Berg von Schuhen ließ uns bewusst werden, wo wir sind. Sie sagte, dass in jedem Schuh ein Leben gesteckt hat.

Gruppenfoto der Teilnehmer

Um einen noch persönlicheren Eindruck zu bekommen, gingen wir am Mittwochnachmittag auf dem Ge-lände ins Archiv. Wir sollten sehen, dass auch Juden aus unserem Ort und der Umgebung in Konzentrations-und Arbeitslager kamen. Natürlich wussten wir es, aber es war etwas anderes es schwarz auf weiß zu haben und die Namen der Personen zu sehen. Die Gründe, weshalb sie ins Lager kamen, und Beschreibungen von Personen zu sehen, die noch einige Zeit „leben“ durften, das alles machte uns wütend. Es ist schwer Worte für das Gesehene zu finden, aber man kann viel Neues lernen und wird sich auch bewusst, zu was Menschen überhaupt fähig sind. Trotzdem war es ein interessantes und besonderes Erlebnis, wenn man die Chance hat den Ort zu sehen, der so grausam war, dann sollte man sich überlegen, sie zu nutzen.

 

Auschwitz-Birkenau

Von Maren Bergmann

Am Mittwoch, den 16.11.2016 sind wir zu der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gefahren, der damals größten Vernichtungsfabrik. Mit dem Bus haben wir nur wenige Minuten gebraucht, um anzukommen. Es war unmittelbar in der Nähe der Stadt. Ich fand das ziemlich erschreckend, weil jeder das Geschehen im Konzentrationslager hätte beobachten können. Allerdings hatten die Deutschen damals ein Sperrgebiet eingerichtet, so dass man sich dem Lager unbefugt nicht nähern konnte.

Auschwitz von außen

Schon von weitem hat einen das riesige Tor mit Schienen erschlagen und es wurde einem gleich unwohl bei dem Gedanken an das, was sich hier ereignet hat. Zuerst bestiegen wir den Turm des Tors über den Schienen. Von dort aus kann man das ganze Lager kom-plett überschauen. Es war riesig, unvorstellbar riesig, dreißig Mal größer als das Stammlager Auschwitz.

Wir standen nun da oben, an der Stelle, wo früher die SS-Wachen mit ihren Maschinenpistolen gestanden hatten. Auf dem Gelände war es schrecklich windig. Bitter kalter Wind wehte uns um die Nase. Trotz meiner drei Hosen, zwei Pullis, einem Schal, einer Mütze, Handschuhen, zwei Paar Socken, meinen Winterschuhen und einer dicken Winterjacke fror ich. Wenn man sich nun vorstellt, wie kalt den Häftlingen damals sein musste, da sie nur dünne Sträflingskleidung ohne Unterwäsche trugen, wurde mir noch kälter. Und früher war der Winter noch kälter, bis zu minus zwanzig Grad!

Dann gingen wir ins Männerlager bzw. ins Quarantänelager zu einer Holzbaracke, um die Häftlinge manch-mal zum Spaß der Bewacher nackt herum hüpfen, rollen und springen mussten. In der Baracke pfiff der Wind durch alle Ecken. Es standen keine „Betten“ mehr darin, aber ein Foto zeigte uns, wie es damals dort aussah. Links und rechts waren Vierecke, in denen jeweils mehrere Holzgestelle standen. Drei Etagen Betten, wenn man sie denn Betten nennen will. Es waren eher krumme und schiefe Holzpritschen. Eine Etage war für drei Menschen vorgesehen, doch dort mussten meistens bis zu 10 Menschen aneinander geengt schlafen. Die ganze Baracke war auch meistens mit 1000 Menschen völlig überfüllt, wo doch eigentlich nur 500 dort schlafen sollten, was auch schon viel zu viel war. Im schmalen Gang in der Mitte sah man einen Ofen, der aber nie benutzt wurde, da es keinen Brennstoff gab. An den Balken an der Decke konnten wir Sprüche wie „Sei ehrlich!“ lesen. An den Balken an den Wänden waren in jedem Viereck drei Metallringe angebracht. Als ich fragte, wofür sie gewesen waren, wurde mir gesagt, dass es ja eigentlich Pferdeställe waren und dass diese Ringe zum Anbinden der Pferde vorgesehen waren. Da wurde mir wieder bewusst, wie ekelhaft und menschenunwürdig dieses Lager war. Die Gefangenen durften am Tag nur zwei Mal eine Toilette aufsuchen, so kam es, dass sie sich manchmal abends im Bett erleichtern mussten und das lief dann alles in die unteren Betten. Deswegen konnte man verstehen, dass die obersten Etagen der Pritschen immer umkämpft waren. In der nächsten Baracke waren die sanitären Anlagen untergebracht.

Bild der Sanitäranlagen

Zwei lange Betonkästen, in denen jeweils 100 Löcher waren. Die Häftlinge hatten immer nur 60 bis 80 Sekunden Zeit. Das war viel zu wenig, da viele an Hungerdurchfall litten. Es gab das so genannte Scheißkommando, welches darauf achtete, dass dort immer alles nach Plan lief. Auch wenn das Scheißkommando die Latrinen mit der Hand ausschöpfen musste, war der Job sehr begehrt, was daran lag, dass die Mitglieder dieses Kommandos die ganze Zeit unter einem Dach waren und jederzeit zur Toilette gehen konnten, von den Häftlingen dafür bezahlt wurden, wenn diese zwischen den Zeiten zur Toilette wollten und sie schließlich nicht so schnell starben, da sie einen festen Job hatten. Für uns wäre diese Arbeit sicher unvorstellbar, doch in Auschwitz-Birkenau ging es um Leben und Tod.

Als nächstes sammelten wir uns an der Entladerampe, wo noch ein Viehwaggon auf den Gleisen steht. Er ist sehr klein, aber in ihm mussten sich 80 Menschen zusammenpressen.

Bild eines Zugwaggons

Ein Zug hatte 40 Waggons, d. d., dass mit jedem Zug ca. 3200 Menschen angekommen sind. Dann fand die Selektion durch einen der SS-Ärzte statt, meist durch Dr. Josef Mengele. Und die, die direkt ins Gas mussten, mussten sich schweigend zu den Gaskammern begeben. Wir nahmen uns alle einen Stein und begaben uns in der Gruppe schweigend zum Ende des Gleises, wo es heute gekappt ist. Wir legten alle einen Zettel, auf den wir einen Spruch im Gedenken an die Opfer geschrieben hatten, ans Ende des Bahngleises und beschwerten diesen mit dem Stein. Wir lasen dann noch einen Text, in dem es darum ging, dass die Menschen ihres Namens beraubt wurden. Ich musste in dem Moment einfach weinen, als ich an die vielen Menschen dachte. Bei vielen von uns flossen die Tränen. Hinter uns war noch eine Formation aus Steinen zu sehen, ein Mahnmal. Davor waren Gedenktafeln in 21 Sprachen angeordnet. Wir gingen dann zu der Ruine vom größten Krematorium. Dort konnte man noch die Umrisse des Vorraums, wo sich die Opfer ausziehen mussten, die Gaskammer selber und das Krematorium, in dem mal 15 Verbrennungsöfen gestanden hatten, sehen. Neben dem Krematorium stand noch ein kleiner Umriss von einem Raum, indem Knochen, die nicht verbrannt werden konnten, zerschlagen wurden. Der Gedanke daran, wie viele Menschen hier gestorben sind und an so einem schrecklichen Ort die letzten Sekunden ihres Lebens verbracht haben, war nur schwer für mich zu ertragen. Es war schrecklich. Wir gingen weiter durch eine Baumallee und anschließend durch einen riesigen Kläranlagen-komplex zum „Kanadalager“. Das Kanadalager hatte 30 Baracken mit Häftlingen, die die Aufgabe hatten, die Opfer aller Wertsachen zu berauben. Von den Baracken des Kanadalagers steht aber nur noch der steinerne Umriss. Dies ist bei vielen Baracken so, da die Nazis bei der Evakuierung des Lagers viel gesprengt und vernichtet haben, um Spuren zu verwischen. Als nächstes gingen wir in die Desinfektionseinrichtung, damals auch „Sauna“ genannt. Im ersten Raum mussten die Häftlinge sich ausziehen. Ihre Kleidung wurde dann mit heißem Wasserdampf in Metallgittern und ofenähnlichen Objekten mit heißem Wasserdampf desinfiziert.

Stein mit der Aufschrift Haarschneideraum

Im nächsten Raum wurden ihnen mit stumpfen rostigen Rasierern alle Haare abgeschoren. Auch wenn wir hier nur in einem leeren kahlen Raum standen, konnte ich mir dieses schreckliche Szenario gut vorstellen.

Aufschrift Untersuchungsraum

Es folgte dann die Leibesvisitation der Häftlinge durch SS-Ärzte. Dabei wurde schmerzhaft in allen Körperöffnungen nach Diamanten und Geld und Sonstigem geschaut. Dieses entwürdigende unmenschliche Prozedere ließ einen frösteln.

Aufschrift Brausen

Schließlich kamen wir in den Raum, wo die tatsächlichen Duschen waren. Dort waren früher 50 Brausen für 200 Menschen. Entweder war das Wasser brühend heiß oder eisig kalt. Wer weg sprang, wurde geschlagen. Ich bekam am ganzen Körper Gänsehaut und wollte den Raum einfach nur verlassen. Nach dieser „Dusche“ standen die Häftlinge nass und nackt in einem kalten Raum, bekamen keine Handtücher und wurden manchmal die ganze Nacht dort stehen gelassen bis sich jemand bereit erklärte, ihnen Kleidung zu bringen und sie abzuholen. Diese Grobheit und Menschenentwürdigung war einfach abartig. Als wir dann in einen weiten Raum kamen, waren dort drei Wände, die von vorne bis hinten mit Fotos behängt waren. Ich glaube, es waren 2400 Bilder, Bilder von Familien, die ins KZ Auschwitz-Birkenau kamen. Bilder mit glücklichen Menschen, schöne Bilder, Bilder von Menschen, die jetzt nicht mehr leben. Warum diese Bilder nicht wie alle anderen durch die Deutschen vernichtet, sondern zurück gelassen worden sind, weiß man nicht. Nun gingen wir zum Frauenlager, das aus Steinbaracken bestand. Dort schauten wir uns den Kinderblock an. Sofort musste ich anfangen zu weinen, als ich das gesehen habe. Ich ging direkt wieder raus. Es war das Schlimmste. Ich ging aber schließlich doch nochmal herein. Kinder, vielleicht nur drei Jahre alt, unschuldige Kinder, die in ihre Religion und Familie hineingeboren waren und natürlich Menschen waren wie wir, wurden hier gfangen gehalten und gequält und schließlich umgebracht. Die Kinder hatten schmale, dreckige, dreistöckige Holzpritschen, die teilweise stockdunkel waren. Wer unten lag, musste auf groben Steinen schlafen. Wie Menschen Kindern so etwas antun konnten, werde ich niemals verstehen. In der Mitte der Baracke waren bunte Zeichnungen an der Wand und auf einem Bett ganz außen lag eine rote Rose und ein winziges kleines Schwanen-Origami. Dieses Bild wird mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ich war so froh, als wir wieder raus konnten. Wir konnten Auschwitz-Birkenau nun endlich verlassen. Doch die Häftlinge konnten das früher nicht!