Auschwitz mit eigenen Augen sehen

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Am 06.11.17 startete unsere Reise mit der gemeinsamen Fahrt zum Flughafen. Wir sind ca. 1 ½ Stunden geflogen und dort herzlich von unseren Betreuerinnen Anna und Theresa empfangen worden, welche uns die ganze Woche begleitet haben. Sie begleiteten uns zu unserem Hotel, welches sich in unmittelbarer Nähe zum KZ Auschwitz befand. Die unmittelbare Nähe löste bei einigen Mädchen in der Gruppe bedrückende Gefühle aus, da man so nah an dem Ort war, wo früher Millionen von Menschen den Tod fanden. Nach einer kurzen Pause sind wir in die Stadt Oświęcim, früher Stadt Auschwitz, gefahren und haben vor Ort eine Führung durch die jüdische Geschichte der Stadt bekommen. Vor den Deportationen waren rund 60% der Bewohner jüdisch. Heute leben nur noch vereinzelte Personen jüdischen Glaubens dort. Danach hatten wir Zeit die Stadt zu erkunden und unser Geld zu wechseln. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Hotel, haben wir uns zu einem Abendrückblick getroffen und über den vergangenen Tag geredet. Unteranderem haben wir auch noch wichtige Dinge für den Besuch im Stammlager geklärt.

 Stadt in AuschwitzZaun im KZ

Am folgenden Tag haben wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Stammlager gemacht, wo sich schon viele andere Gruppen befanden. Der Weg dorthin führte uns lediglich auf die andere Straßeseite. Jeder von uns erhielt einen Audio-Guide, durch den wir Theresa bei Ihrer Führung besser verstehen konnten. Außerdem hatten wir so die Möglichkeit uns mit unseren eigenen Gedanken zu beschäftigen und nicht mit unseren Mitschülerinnen zu quatschen. Da wir mit unserer Gruppe dort waren, hatten wir die Chance uns länger und ausführlicher mit diesem Ort zu beschäftigen. Die Bilder und Aufzeichnungen dort waren sehr erschreckend und einprägend für uns. Da die Schriftstücke der SS auf Deutsch waren, konnten wir alles genau verstehen, was die ganze Angelegenheit noch ein bisschen schlimmer machte. An diesem Punkt wurde uns nochmal richtig bewusst, dass es unsere Vorfahren waren, die diese grausamen Taten verrichtet hatten.  

Gebäude

Nach dem Mittagessen im Hotel, hatten wir nochmals die Gelegenheit uns intensiv mit dem Ort und auch mit den verschiedenen Länderausstellungen zu beschäftigen. Diese Ausstellungen wurden den Opfern aus Belgien, Russland, Holland, Frankreich, Polen und den Sinti und Roma gewidmet. Als wir später nochmal auf dem Gelände umherlaufen konnten waren auch nicht mehr so viele Gruppen da, sodass man mehr Ruhe und auch Zeit hatte sich nochmals alles anzugucken.  Auch an diesem Abend konnten wir uns in der Gruppe über den vergangenen Tag und Eindrücke austauschen, indem jede Schülerin eine kleine Zeichnung zu ihren Eindrücken und Bildern vom Tag anfertigen sollte. Man konnte daraus schließen, dass alle sehr bewegt waren und viele neue Eindrücke gesammelt hatten.

 KZ Auschwitz-BirkenauModellbau

Am 3. Tag sind wir mit dem Bus zum KZ Auschwitz-Birkenau gefahren, welches eine Fläche von 75 Ha aufweist. Dort hatten wir abermals eine intensive Besichtigung, wiederum von Theresa, in der wir neue Eindrücke über das Leben dort im Lager früher sammeln konnten. Da es ein sehr offenes Gelände ist und es an dem Tag auch sehr windig und kalt war, wurde auch uns trotz sehr warmer Kleidung nach einiger Zeit kalt. Das brachte viele von uns zum Nachdenken, denn die Menschen früher hatten nur ein dünnes Hemd und Hose an und ein paar abgelaufene dünne Schuhe. So konnten wir mit unseren eigenen Körpern nachempfinden, was die Menschen früher alles durchmachen mussten. Unter anderem haben wir uns dort die erhaltenen Baracken, die zerstörten Gaskammern und die Krematorien und Bürogebäude angesehen. Besonders beeindruckend war das große „Todestor“, durch welches die Deportierten mit Zügen gebracht wurden. Am Nachmittag konnten wir uns für einen der zwei Workshops entscheiden. Einer beschäftigte sich mit den Tätern (SS) und der andere Workshop mit den Opfern. Dort konnten wir zusätzlich durch alte Schriftstücke Informationen erlangen, welche auch sehr eindrucksvoll und erschreckend waren. Am Abend haben wir uns mit einem emotionalen Abschiedsgedenken an der alten Judenrampe von Auschwitz verabschiedet. Durch die Nähe zu einer Bahnstrecke, auf der zu dieser Zeit einige Züge fuhren, die man im Hintergrund hören konnte, wurde einigen Schülerinnen erschreckend stark vor Augen geführt, was früher an diesem Ort geschehen war. Einigen kamen daraufhin die Tränen.

 SchriftstückeInfotafel auf polnisch

Am 4.Tag der Reise fuhren wir mit dem Bus ins nahegelegene Krakau. Dies ist die ehemalige Hauptstadt Polens und zugleich die größte Stadt nach Warschau. Zu Beginn hatten wir ein sehr spannendes und tiefgründiges Gespräch mit einer Zeitzeugin Namens Lydia. Durch das Gespräch mit einer Überlebenden konnte man nochmal sehr gut nachvollziehen, was sie früher als Kind durchmachen musste, wie sie mit dem Verlust ihrer Familie umgegangen ist und wie ihre spätere Kindheit verlief. Bei dem Gespräch zeigte sie uns auch ihre tätowierte Häftlingsnummer, die sie damals bekommen hatte. In Krakau führte Anna uns dann zu den wichtigsten Orten und Sehenswürdigkeiten der Stadt. Danach hatten wir Zeit uns individuell in Krakau zu bewegen. Am Abend waren wir in einem jüdischem Restaurant essen, wo wir typische Speisen probieren konnten. Dann wurde noch von einem kleinen Orchester typische Musik gespielt. Später sind wir mit der Straßenbahn zum Hotel zurückgefahren. Am letzten Tag haben wir dann das jüdische Viertel besichtigt und waren auf einem der ältesten jüdischen Friedhöfe in Polen. Danach sind wir durch das ehemalige Ghetto gefahren und haben in der Nähe die Firma von Oscar Schindler gesehen. Im Nachhinein ging es in das jetzt fast unscheinbare KZ Plazow. Dort war von den grausamen Taten von früher nicht mehr viel zu sehen. Zum Schluss sind wir zum Flughafen gefahren und wieder zurück nach Deutschland geflogen.

 

Schülerinnen in KrakauHaus mit Glocken in Krakau

 

Unsere Meinung und Eindrücke der Fahrt:

Wir fanden die Reise nach Auschwitz sehr interessant und informativ. Dort konnten wir viele neue Eindrücke sammeln und auch fürs spätere Leben viel lernen. Aus unserer Sicht können wir die Reise nur empfehlen und würden sofort noch einmal mitfahren. Jetzt im Nachhinein hätten wir es sicher bereut, wenn wir nicht mitgefahren wären.

Uns ist es klar geworden, dass diese grausamen Taten und auch die Opfer nie vergessen werden dürfen.